Zur Newsübersicht

Likes statt Lizenz – Finfluencer

News

Schnell reich, noch schneller arm: Die dunkle Seite der Finfluencer.
Tricks und Tipps – wie Finfluencer mit Reichweite Risiken verschleiern

Welche typischen Risikofallen entstehen bei Empfehlungen von Finfluencern?

Es lassen sich zwei besonders typische Fallgruppen erkennen:

  1. „All-In“-Mentalität
    Influencer raten gerade dem jungen Publikum, ihr gesamtes Erspartes oder einen Großteil davon in einzelne Aktien, Kryptowährungen oder P2P-Kredite zu investieren. Das erzeugt eine einseitige Vermögensstruktur ohne Risikodiversifizierung und ohne Analyse des Zeithorizonts. Es handelt sich damit weniger um seriöse Beratung, sondern vielmehr um Hochrisiko-Motivationscoaching.
  2. „Buy the dip“-Narrative mit Hebel
    Häufig propagieren Finfluencer den Einsatz von Hebelprodukten, um bei Kursrückgängen „schneller reich“ zu werden. Das Problem: Der Hebel wirkt in beide Richtungen. Dieses Risiko wird in der Regel nicht oder nur am Rande erklärt, wodurch unerfahrene Anleger schnell hohe Verluste erleiden können.

Warum sind Finfluencer erfolgreicher in der Reichweite als klassische Finanzberater?

Es stimmt zwar, dass Banken und Institute oft noch spröde, konservativ und ohne digitale Reichweite kommunizieren, was heute als selbstverständlich vorausgesetzt wird. Doch das ist nur ein Teil der Erklärung.

Die Kritik an der Finanzbranche ist auch substanziell:

Regulierungslücken, Interessenverflechtungen und die psychologische Wirkung eingängiger Botschaften verstärken die asymmetrische Situation. Finfluencer erreichen mit einfachen Narrativen und emotionaler Ansprache eine große Reichweite, während regulierte Berater auf strenge Vorgaben und nüchterne Kommunikation zurückfallen.

Welche problematischen Beispiele für Interessenkonflikte und Missbrauch gibt es?

Es gibt zahlreiche Beispiele, wie Finfluencer ihre Reichweite für fragwürdige Kampagnen nutzen:

  • Trade Republic & Influencer-Partnerschaften: Verschiedene Finfluencer wurden dafür bezahlt, die App zu bewerben – oft ohne klarzustellen, dass es sich um Werbung handelt. Dadurch entsteht ein Interessenkonflikt, der nicht transparent offengelegt wird. Die Inhalte wirken wie unabhängige Tipps, sind aber in Wahrheit verkaufsorientierte Sales-Kampagnen.
  • Krypto-Scams & Token-Promotions: Mehrere deutsche und internationale Finfluencer warben für dubiose Coins (z. B. SafeMoon, Bitconnect oder Meme-Coins), in die sie selbst investiert waren. Manche verkauften ihre Anteile direkt nach dem künstlichen „Pump“ und hinterließen ihre Follower mit massiven Verlusten – ohne selbst dafür haften zu müssen.

Woran lässt sich Finanzkompetenz bei Finfluencern erkennen?

Die Finanzkompetenz lässt sich bei Finfluencern nur schwer feststellen, da es keinerlei formale Zugangsbeschränkungen oder verpflichtende Qualifikationen gibt. Anders als regulierte Berater unterliegen sie keiner Aufsicht durch die BaFin oder einer Berufspflicht wie etwa nach §34f GewO in Deutschland.

Indikatoren für echte Kompetenz sind:

  • Transparenz: Die Person macht Angaben zu Ausbildung, Zertifikaten oder Berufserfahrung.
  • Nachvollziehbare Argumentation: Empfehlungen werden mit empirischen Daten, Risikohinweisen und Alternativen untermauert – nicht nur mit plakativen, einfachen Lösungen.
  • Langfristigkeit und Diversifikation: Es wird zum verantwortungsvollen Investieren angeregt statt nur kurzfristige Spekulation zu fördern.
  • Haftung und Verantwortung: Ein echter Berater haftet für seine Empfehlungen, Finfluencer nicht. Das verursacht ein strukturelles Verantwortungsdefizit.

→ Lieber Kompetenz als unregulierte Influence!

💡 Fazit:

Finfluencer übernehmen eine zunehmende Rolle in der finanziellen Meinungsbildung, insbesondere bei jungen Anlegergruppen. Ihr Vorteil liegt in der Reichweite und der digitalen Ansprache, gleichzeitig bestehen jedoch erhebliche Risiken aufgrund mangelnder Regulierung, fehlender Haftung und teilweise einseitiger Empfehlungen. Für die Zukunft wird entscheidend sein, wie regulatorische Rahmenbedingungen, Transparenzanforderungen und finanzielle Bildung zusammenspielen, um Chancen zu nutzen und Risiken zu begrenzen.

Beitragsbild #freepik#adobeexpress

Quelle: Ortay Gelen (AXIA)  für Deutschen Pressedienst

Künstliche Intelligenz als Investmentchance
Verstärkung im Office Frankfurt