Kapitalmarktrückblick für das 2. Quartal 2025
Auf einen Blick
- Politik als Treiber: Donald Trump hat wahr gemacht, was zum Jahresanfang befürchtet wurde und Zölle im System implementiert
- Aktien: Die Rotation hielt an. US-Werte in Euro wegen des schwachen USD weiter unter Druck, Europa profitiert deutlich, China hingegen nur geringfügig, Japan schlug sich tapfer, Südkorea führte in II. Quartal den Reigen in Asien an
- Zinserwartungen: Notenbanken haben teilweise geliefert – EZB senkt in Q II 2025 zweimal die Zinsen, Bank of England einmal, Peoples Bank of China führte zwei Senkungen durch, Bank of Japan hat Zinsen ebenso belassen wie das FED.
- Gold/Silber: Die Edelmetalle haben definitiv geliefert. Die Unze Gold in USD verteuerte sich in Q II 2025 um etwa 7,5%, während der Preis pro Unze Silber in USD etwa 13% stieg.
- Volatilität: Niveau weiterhin hoch. Geopolitik und makroökonomische Themen wie Zölle und Abwertung USD sind die Treiber. Flexible Strategien, gesunder Opportunismus und ein hohes Maß an Geduld sind das Gebot der Stunde.
Einführung
The End of the Innocence
Die Älteren unter uns werden den wunderbaren Song von Don Henley der späten 80er vielleicht noch im Ohr haben.
Die Älteren unter uns kennen auch noch Zeiten in denen die USA das „Promised Land“ genannt wurde. Der Autor dieser Zeilen hatte jedenfalls Anfang der Neunziger während erster Reisen nach New York, New Orleans oder Philadelphia das Gefühl, die Verheißung zu erleben.
Und heute?
Spätestens seit dem 04.Juli 2025, ein dramaturgisch perfekt gewählter Zeitpunkt, wurde zum Unabhängigkeitstag durch Donald Trump ein neues Gesetz erlassen: The Big Beautiful Bill. Es handelt sich um ein Steuer- und Ausgabengesetz, das, machen wir es kurz, die Verschuldung der USA höher und höher treiben wird – über 36 Billionen Dollar aktuell und kein Ende in Sicht. Das neue Gesetz wird die Schulden in den kommenden 10 Jahren auf ca. 50 Billionen USD anheben.
Die Welt schaut gebannt auf Washington. Aber auch in Deutschland und Europa steigt die Verschuldung immens. Die Politiker haben ausreichend Argumente und wir Bürger haben Mühe, sie zu verstehen. Man stellt sich zwangsläufig die Frage, wann die Rechnung kommt. Sie wird kommen, früher oder später. Wer sie bezahlt, steht heute schon fest.
Das ist das Ende der Verheißung. (The End of the Innocence)
Wirklich??
Schauen wir uns an, was in den vergangenen drei Monaten geschehen ist, wagen wir einen kleinen Blick nach vorn und lassen wir uns von dem einen oder anderen „Wunder“ überraschen (vielleicht).
Anfang April veröffentlichte Donald Trump seine akribisch ausgearbeitet Zoll – Liste. Man ahnte, dass es übel wird, aber so heftig? Nein, das hatte niemand erwartet. Folge war, dass die Aktienmärkte, die seit Mitte Februar ohnehin schon korrigierten, erneut nachgaben. Jeder der ein wenig von Wirtschaft versteht, wusste sofort, dass schadet allen. Insbesondere den USA selbst. Entsprechend ließen die US-Märkte ordentlich Federn. Der NASDAQ verlor von Mitte Februar bis Mitte April ca. 23%, der S&P 500 ca. 19%, der Nikkei 225 gab in der Spitze 12,5% nach und unser guter deutscher DAX immerhin knapp 14%. Entsprechend groß die Aufregung, entsprechend viele Fragen wie es denn wohl weiter gehen würde.
1. Wunder – Resilienz der Aktienmärkte
Heute zum Anfang des III. Quartals reiben wir uns die Augen, denn die US-Indices haben neue Hochs erklommen, leider nur in US-Dollar. Der Euro Investor hingegen leidet unter der Abschwächung des USD wegen der vielen neuen Schulden, der vielen neuen Zölle, die mal aktiviert werden, um alsbald wieder deaktiviert zu werden und wegen vieler anderer Ideen unseres verehrten Herrn US-Präsidenten. Der DAX hat sich ebenfalls wacker gehalten.
Die Anleihemärkte gelten als DAS Korrektiv im gesamten Kapitalmarkt weltweit. Der Konsens glaubt daran, dass die Bond Vigilants * jeden in die Schranken weisen, der es übertreibt. Liz Truss lässt grüßen. Die ehemalige britische Premierministerin hatte es übertrieben und wurde von den Vigilants nach nur 6 Wochen aus dem Amt gefegt. Zu Beginn des II. Quartals haben sie es also die „Wächter“ wieder versucht, als Trump seine reziproken Zölle veröffentlichte.
Die Anleihemärkte erlebten eine deutliche Korrektur im April insbesondere in der ersten Aprilwoche. In der Folge kam es zu einem starken Abverkauf an den Märkten: Die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen stiegen innerhalb einer Woche um 50 Basispunkte, was zu deutlichen Kursverlusten bei Anleihen führte. Das war heftig.
Es gibt am Bondmarkt eine Regel, die besagt, dass wenn die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihen über 5% steigt, es generell übel wird.
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*Ein „Bond Vigilante“ ist ein Investor oder eine Gruppe von Investoren, die Staatsanleihen verkaufen oder damit drohen, um gegen eine als inflationär oder unverantwortlich angesehene Fiskal- oder Geldpolitik zu protestieren.*
Schauen wir uns einen Chart der vergangenen 4 Monate an.
Am 02. April veröffentlicht Trump die Liste mit den Zöllen, ein Mittwoch.
Am 04. April lagen die Renditen bei ca. 3.9% – bedeutet Kurse hoch.
Eine Woche später, am 11. April stiegen die Renditen auf ca. 4,5% – bedeutet Kurse niedrig. Das ist einem ordentlichen Gewitter gleichzusetzen. Die Renditen stiegen bis 22.Mai auf knapp 4,6% um seitdem stetig wieder zu sinken. Übersetzt heißt das, dass die Vigilants ihre Macht nicht ausspielen konnten.
2. Wunder – Don’t fight the FED.
Eine viel stärkere Macht war am Wirken.
The Force will be with you always.
Wir müssen also akzeptieren, dass die Dinge manches Mal nicht so laufen, wie man denkt. Darauf zu bestehen, dass die eigene Meinung richtig ist, richtig sein muss, wurde wieder einmal durch die Kräfte des Marktes konterkariert.
Wer gibt den USA eigentlich noch Geld? Etwa 25% der US-Schulden werden von ausländischen Investoren wie China und Japan gehalten, die harte Waren in die Staaten liefern und bereit sind als Bezahlung das Papiergeld der Amerikaner zu nehmen.
Amerikanische Banken und Versicherer sind „gezwungen“ diese Papiere zu kaufen. Und dann haben wir noch Mutter Natur, gemeint ist die US-Notenbank FED, die immer dann gern zugreift, wenn es irgendwo zwickt. Letztere wird das auch in Zukunft tun, denn sonst….oh weh… denken wir lieber nicht darüber nach. Eventuell mit einem neuen FED Vorsitzenden, der nach Trump’s Pfeife tanzt, ihm das Leben leichter macht und unsere intellektuellen Fähigkeiten fordert.
Die USA leben über ihre Verhältnisse, dass steht fest. Aber wenn man die Leitwährung der Welt sein Eigen nennt, ist das deutlich einfacher zu refinanzieren als beispielsweise mit dem nigerianischen Naira.
3. Wunder – Der Glaube stirbt zuletzt
Kann das noch gut gehen?
Hat jemand eine Antwort darauf?
Yep. Zurück in die 80er Jahre. Ronald Reagan sah sich damals mit Schulden von 2 Billionen USD konfrontiert. Die Presse schrie sich heißer vor Untergangsszenarien, das Ende der Welt wurde verkündet usw. Heute haben wir das 18-fache an Schulden in den Vereinigten Staaten und es läuft immer noch. Ja, sicher lässt die Infrastruktur zu wünschen, das Sozialsystem wankt, Bildung wird immer teuerer – wir sprechen von den USA und nicht von Deutschland. Im Großen und Ganzen hat dieses Land die letzten 40 Jahre aber verdammt gut performt. Warum? Weil es zum einen eine unglaubliche Siegermentalität hat und weil es zum anderen über eine sehr starke Wirtschaft verfügt.
Das ist es, was wir uns als Investoren immer wieder sagen müssen. It’s the Economy, stupid. Der Spruch stammt von Bill Clinton und hat ihm 1992 zum Wahlsieg verholfen.
Solange also jemand bereit ist, den USA Geld zu leihen, läuft das System weiter. Und kommt es wirklich mal echt hart, greift die Notenbank ein.
Das tut sie immer. Also eingreifen. Sie hält, wenn sie Staatsanleihen kauft, alles in den eigenen Büchern, ist sich gegenüber also Gläubiger und Schuldner zugleich. Parallele zu Japan. Mit Disziplin hat das wenig zu tun, aber es funktioniert.
Solange die Welt daran glaubt, dass die USA ihre Verbindlichkeiten bedienen, wird nichts wirklich Schlimmes passieren.
Ausblick
Es wird möglicherweise nicht so gut ausgehen, wie es sich der Mann und seine Adlaten im Washington wünschen. Abwertung US-Dollar soll Produkte der Staaten im Ausland billiger machen. Folge ist, dass sich Importe verteuern. Mit den Zöllen will man gegensteuern, aber wie man durch das ständige Flip Flopping des DT sieht, funktioniert das nicht so recht. Folge der Zölle wird sein, dass sich Importe verteuern. Daraus folgt als nächstes, dass sich die Preise in den USA erhöhen, was steigende Inflation bedeuten dürfte. Dagegen will man dann wieder mit sinkenden Zinsen vorgehen, was eigentlich Quatsch ist, denn Inflation erfordert steigende Zinsen. Die kann sich aber niemand mehr leisten, wegen der 36 bis 50 Billionen Schulden die wir am Anfang besprochen haben. Sie merken es: Dilemma.
Das vergangene Quartal hatte es in sich. Und doch sind wir alle noch da. Die Lösung liegt wahrscheinlich im…
4. Wunder – Inflation der Vermögenspreise
Wir werden in den kommenden Jahren auf Basis der hier geschilderten Szenarien eine Inflation der Vermögenspreise erleben. Bedeutet, dass reine Geldwerte wegen wahrscheinlich steigender bzw. hartnäckiger Preisspiralen verlieren werden. Sachwerte wie Aktien und Gold hingegen, vielleicht auch in geringerem Maß Kryptos, werden profitieren.
Es wird wahrscheinlich temporär immer wieder zu nennenswerten Schwankungen kommen, aber das gesamte Spektrum an Absonderlichkeiten, die wir täglich erleben, weist uns als Investoren und als Vermögensverwalter direkt auf die Lösung hin: Wir müssen in Aktien investieren, Gold und Krypto beimischen. Unternehmen haben sich noch immer jeder verrückten Situation angepasst. Lange können sie Preissteigerungen weitergeben, was automatisch zu höheren Umsätzen führt.
Unsere Position
Wir haben die Aufgabe das Kapital zu schützen und zu vermehren. Sie haben die Aufgabe, sich nicht zu fürchten. Wir alle haben die Aufgabe miteinander zu reden, weil reden noch immer geholfen hat, komplexe Umstände zu verstehen. Davon gibt es viele.
Teaser für den Marktbericht zu Q3 – Stichwort Stablecoins. Wir werden berichten.
Wir bedanken uns für Ihr entgegengebrachtes Vertrauen und freuen uns, Ihnen zur Seite zu stehen.
Für Fragen steht Ihnen Ihr persönlicher Berater gerne bereit.
Ihr Team der AXIA Asset Management
Die im Berichtszeitraum für Sie getroffenen Anlageentscheidungen entsprechen aus den nachfolgenden Gründen Ihren Anlagezielen, Ihrer Risikobereitschaft und Risikotragfähigkeit sowie Ihren sonstigen Präferenzen: Ihre Anlageziele mit dem von Ihnen genannten Anlagezweck, dem vorgegebenen Anlagehorizont sowie Ihre Risikobereitschaft einschließlich etwaiger im Verlaufe des Berichtszeitraums sich ergebenden Änderungen haben wir im Erhebungsbogen „Kundenangaben“ erfasst. Die vereinbarte Anlagestrategie war im Berichtszeitraum geeignet, im Rahmen der laufenden Verwaltung des Depots Ihren individuellen Verhältnissen hinreichend Rechnung zu tragen. Die im Berichtszeitraum für Sie getroffenen Anlageentscheidungen haben die Grenzen der vereinbarten Anlagestrategie eingehalten, so dass Ihre individuellen Anforderungen stets erfüllt waren. Unabhängig von den Vorgaben der vereinbarten Anlagestrategie haben wir bei den einzelnen Anlageentscheidungen auch darauf geachtet, dass das Gesamtportfolio in seiner jeweiligen Zusammensetzung den individuellen Vorgaben entspricht. Die vorgenommenen Anlageentscheidungen waren ausschließlich darauf gerichtet, die Zusammensetzung des Gesamtportfolios im Hinblick auf Ihre Anlageziele, Ihrer Risikobereitschaft und Ihrer Risikotragfähigkeit zu optimieren, insbesondere haben wir dem Gebot der hinreichenden Diversifikation Rechnung getragen und die Anlagerisiken standen jederzeit in einem angemessenen Verhältnis zu den angestrebten Renditechancen. Wir sehen daher keinen Anlass, eine andere Anlagestrategie zu empfehlen und bitten um Mitteilung, soweit sich an Ihren persönlichen Verhältnissen eine Änderung ergeben haben sollte, die eine abweichende Einschätzung rechtfertigen könnte. Diese Hinweise sind uns verpflichtend durch die BaFin vorgegeben und mit jedem Report erneut zu erteilen.


